GroupEstate – Gemeinsam Immobilien kaufen

Nach der so oft zitierten Immobilienblase in den USA wurde der Markt, wie es im Finanz-Fachjargon so schön heißt, bereinigt. Das bedeutet jedoch, dass auch Kaufinteressierte hier in Europa nicht mehr so leicht einen Immobilienkredit von den Banken finanziert bekommen als noch vor der Krise. Betrachtet man es von der ökonomischen Seite her, ist kaufen oder leasen immer noch besser als mieten. Trotzdem sind viele Immobilien nicht zu verkaufen, weil zu groß, zu teuer, etc. und andererseits getrauen sich viele Kaufwillige nicht einen Kredit für eine Immobilie aufzunehmen, auch wenn sie diesen von der Bank bekommen würden. Das führt zu einer Verunsicherung am Immobilienmarkt und zu Preissteigerungen in begehrten Lagen. Zu viele Risikofaktoren, wie plötzlicher Arbeitsplatzverlust, steigende und unsichere Zinsen bei Yen- oder Schweizer-Franken-Krediten, etc. halten viele ‚Normalbürger‘ davon ab einem Kaufangebot näher zu treten.

Investoren und Anleger haben schon immer Teile von Immobilien z.B. von Zinshäusern erstanden und mit der verlangten Miete Gewinne erzielt. Die Idee gemeinsam eine Immobilie zu kaufen ist nicht neu – bekannte Unternehmen für Crowdfunding von Immobilien sind z.B. Home Rocket, Kapitalfreunde oder Exporo. Neu ist jedoch GroupEstate, ein Startup-Unternehmen aus Berlin. Die ins Leben gerufene Internet-Plattform stellt kostenlose Tools zur Verfügung, um die Idee des gemeinsamen Kaufens einer Immobilie Realität werden zu lassen. Ein wenig erinnert es an das Crowdinvesting bei Firmengründungen. Jedenfalls ist die Idee krönenswert, denn der Grundgedanke‚ gemeinsam statt einsam‘ verhilft einen Teil einer Immobilie sein Eigen werden zu lassen. Es geht hier weniger um die Erzielung von Rendite, sondern eher um die gemeinsame Finanzierung von selbstgenutzten Immobilien oder Baugemeinschaften.

Wie immer hinkt Europa ein wenig hinterher, was in Australien und Neuseeland schon lange etabliert ist, steckt hier noch in den Kinderschuhen. Dort können Gruppen eigens dafür geschaffene Kredite bei Banken erwerben. Das birgt einen großen Sicherheitsvorteil für die Kreditgeber als auch für die Kreditnehmer. Der Ausfall ist viel geringer oder gar nicht gegeben, da Anteile an andere Personen weiter verkauft werden können und trotzdem die Immobilie in der Gruppe erhalten bleibt. Zwangsversteigerungen gehören somit auch der Vergangenheit an.


Um den Plan konkret werden zu lassen, müssen alle gemeinsam eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen, umso die Immobilie gemeinschaftlich kaufen zu können. Eigentümer der Immobilie ist dann die GbR. Über die Online-Plattform von GroupEstate können Familienmitglieder, Freunde, Kollegen als auch fremde Personen zu einem gemeinschaftlichen Immobilienkauf aufgefordert werden. Die Gruppenmitglieder geben einzeln an, mit welchem Betrag sie sich beteiligen möchten. Die Summe der Eigenmittel bestimmt schließlich die zu kaufende Immobilie, das benötigte Eigenkapital liegt bei fast jeder Immobilie bei mindestens 20 %. Gemeinsam können dann Angebote von Banken eingeholt werden. Es geht natürlich auch umgekehrt, jemand findet eine passende Immobilie, kann sie alleine aber nicht finanzieren und sucht für dieses bestimmt Objekt Partner. Diese Form des Kaufes ist für jede Art von Immobilie möglich, ob Eigentumswohnung, Haus, Mehrfamilienhaus, Grundstück oder Gewerbeobjekt.

Ein sehr wichtiger Bestandteil ist der Vertrag, der die Rechte als auch die Pflichten der Mitglieder der Gruppe klar darlegt. Mitglieder der Gruppe können die Immobilie selbst bewohnen oder gewerbliche Objekte betreiben. Jedoch auch reine Kapitalanleger können der Gruppe angehören. Je nach eingebrachtem Eigenkapital werden die Eigentumsanteile festgelegt. Weiters hilft GroupEstate der Gemeinschaft eine GbR zu gründen und damit eine juristische Größe zu werden. Werden Einnahmen durch Vermietung erzielt, werden diese je nach Eigentumsanteil aufgeteilt, dies gilt auch für die Ausgaben, ebenso wenn die Immobilie verkauft wird.

GroupEstate ist bei der Immobiliensuche direkt mit ImmobilienScout24.de verbunden, das mag nicht wundern, geht doch dieses Startup-Unternehmen aus dem Startup Inkubator von ImmobilienScout24 YOU IS NOW hervor.

Wo niemand wohn möchte: Immobilen-Leerstand in Deutschland

Der Anteil leer stehender Wohnungen ist seit Jahren rückläufig. Die Quote liegt bei 3,1 Prozent. Während einige Regionen kaum von Wohnungsleerstand betroffen sind, finden in anderen Landesteilen überdurchschnittlich viele Vermieter keinen Mieter.

Eine deutliche Diskrepanz besteht zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern bleiben die meisten Wohnungen unbewohnt. Dies lässt sich durch die geringere ökonomische Entwicklung Ostdeutschlands begründen. In Sachsen-Anhalt tritt das Problem am eindringlichsten zutage. Die Abwanderung folgt stets einem bestimmten Muster. Menschen im erwerbsfähigen Alter wandern vermehrt in Städte mit besseren Jobchancen ab. Rentner verlassen ihre Heimat seltener. Das bedingt einen prozentualen Anstieg der Ruheständler, der wiederum zu einer stärkeren Belastung der Sozialsysteme führt, welcher nicht durch eine arbeitende Mehrheit ausgeglichen wird. Eine Verstärkung des Effekts ist die Folge. Investitionen kommen in den betreffenden Regionen aufgrund mangelnder Steuereinnahmen zum Erliegen. Auftretende Mängel in Bereichen wie Infrastruktur oder Bildungsmöglichkeiten erhöhen die Unattraktivität des Bundeslandes.

Eine auf die gesamte Bundesrepublik übertragbare Tendenz, ist die Abwanderung vom Land in die Stadt. Vor einigen Jahren kam der Landwirtschaft eine bedeutendere Rolle in der ökonomischen Wertschöpfungskette zu als derzeit. Im Zuge der Digitalisierung gewinnt der Dienstleistungssektor an Relevanz.

Ein zusätzlicher Faktor ist die Globalisierung. Hing die Versorgung mit Lebensmittel früher von der lokalen Produktion ab, übernehmen diese Aufgabe heute oftmals ausländische Unternehmer. Der durch das Überangebot hervorgerufene Preisverfall schmälert die Lukrativität für die vorhandenen Agrarunternehmer.

Sobald die Abwanderung einmal begonnen hat, ist sie kaum noch aufzuhalten. Die Wirtschaft verliert an Kraft, wodurch die betroffene Region von Fachkräften gemieden wird. Gut ausgebildete Arbeitnehmer wären essenziell um den Negativtrend umzukehren, es fehlt jedoch der Anreiz. Die Gehälter sind in den Großstädten höher, hinzu kommen die besseren Aussichten eine Festanstellung zu finden. Die in unbeliebten Landesteilen niedrigen Mietpreise sind nicht attraktiv genug, um die unterentwickelten Gebiete ökonomisch wiederzubeleben.

Obwohl die Entwicklung seit Jahren deutlich erkennbar ist, fehlen der Politik adäquate Lösungsansätze. Steuergelder werden eher in bereits gut entwickelte Regiopole investiert, da sie dort die größte Wirkung entfalten.
Dies führt zu steigenden Mieten in den Ballungszentren, während die Probleme wirtschaftlich schwacher Bundesländer stetig zunehmen.