Wo niemand wohn möchte: Immobilen-Leerstand in Deutschland

Der Anteil leer stehender Wohnungen ist seit Jahren rückläufig. Die Quote liegt bei 3,1 Prozent. Während einige Regionen kaum von Wohnungsleerstand betroffen sind, finden in anderen Landesteilen überdurchschnittlich viele Vermieter keinen Mieter.

Eine deutliche Diskrepanz besteht zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern bleiben die meisten Wohnungen unbewohnt. Dies lässt sich durch die geringere ökonomische Entwicklung Ostdeutschlands begründen. In Sachsen-Anhalt tritt das Problem am eindringlichsten zutage. Die Abwanderung folgt stets einem bestimmten Muster. Menschen im erwerbsfähigen Alter wandern vermehrt in Städte mit besseren Jobchancen ab. Rentner verlassen ihre Heimat seltener. Das bedingt einen prozentualen Anstieg der Ruheständler, der wiederum zu einer stärkeren Belastung der Sozialsysteme führt, welcher nicht durch eine arbeitende Mehrheit ausgeglichen wird. Eine Verstärkung des Effekts ist die Folge. Investitionen kommen in den betreffenden Regionen aufgrund mangelnder Steuereinnahmen zum Erliegen. Auftretende Mängel in Bereichen wie Infrastruktur oder Bildungsmöglichkeiten erhöhen die Unattraktivität des Bundeslandes.

Eine auf die gesamte Bundesrepublik übertragbare Tendenz, ist die Abwanderung vom Land in die Stadt. Vor einigen Jahren kam der Landwirtschaft eine bedeutendere Rolle in der ökonomischen Wertschöpfungskette zu als derzeit. Im Zuge der Digitalisierung gewinnt der Dienstleistungssektor an Relevanz.

Ein zusätzlicher Faktor ist die Globalisierung. Hing die Versorgung mit Lebensmittel früher von der lokalen Produktion ab, übernehmen diese Aufgabe heute oftmals ausländische Unternehmer. Der durch das Überangebot hervorgerufene Preisverfall schmälert die Lukrativität für die vorhandenen Agrarunternehmer.

Sobald die Abwanderung einmal begonnen hat, ist sie kaum noch aufzuhalten. Die Wirtschaft verliert an Kraft, wodurch die betroffene Region von Fachkräften gemieden wird. Gut ausgebildete Arbeitnehmer wären essenziell um den Negativtrend umzukehren, es fehlt jedoch der Anreiz. Die Gehälter sind in den Großstädten höher, hinzu kommen die besseren Aussichten eine Festanstellung zu finden. Die in unbeliebten Landesteilen niedrigen Mietpreise sind nicht attraktiv genug, um die unterentwickelten Gebiete ökonomisch wiederzubeleben.

Obwohl die Entwicklung seit Jahren deutlich erkennbar ist, fehlen der Politik adäquate Lösungsansätze. Steuergelder werden eher in bereits gut entwickelte Regiopole investiert, da sie dort die größte Wirkung entfalten.
Dies führt zu steigenden Mieten in den Ballungszentren, während die Probleme wirtschaftlich schwacher Bundesländer stetig zunehmen.

Maklerstreik vom BVFI erntet Spott

Der Maklerstreik sorgt auch innerhalb der Branche für Unruhe

Der Bundesverband für die Immobilienwirtschaft – kurz: BVFI – hat seine 11.000 Mitglieder zur Umfrage aufgerufen, ob am 7. November gestreikt werden soll. Zur Umfrage wurden die rund 11.000 Makler eingeladen, ganz egal, welcher Verbandszugehörigkeit sie angehören. Der Grund für den Streik ist das Bestellerprinzip. Am 7. November sollen daher – wenn die Umfrage dies ergibt – die Maklerbüros geschlossen bleiben. Dieser Streikaufruf löste nicht nur in sozialen Netzwerken hitzige Diskussionen aus. Auch innerhalb der Branche ist man von dem Vorgehen wenig bis gar nicht begeistert.

„Idiotisch und saudumm“ – auch Makler sind gegen den Streik

Von „einer idiotischen Aktionen“, „einem lächerlichen Vorgehen“ sowie einer „schwachsinnigen Idee“ wird gesprochen. Die Wogen gehen hoch; auch in den sozialen Netzwerken wird der geplante Streik diskutiert. Mit dabei Markus Gruhn, welcher ebenfalls überzeugt ist, dass es sich „um eine saublöde Idee“ handelt. Gruhn ist der Vorsitzende des RDM in Berlin/Brandenburg. „Natürlich zittert die Politik vor dem Tag, wenn die Wirtschaft wegen dem Maklerstreik zusammenbricht“, so Gruhn ironisch. Auch Twitter-User reagieren ironisch. „Wie sollen wir morgen ein Haus kaufen?“ oder auch „wer sperrt jetzt die Wohnungen auf?“ ist in diversen Diskussionforen, bei Twitter und auf Facebook zu lesen. „Hoffentlich“, entgegnet ein User, „streikt nicht am selben Tag der Schlüsseldienst“.

Keine Unterstützung für den BVFI

Der BVFI hat mit einer Unterstützung gerechnet – diese wird er jedoch nicht bekommen. Roland Kampmeyer, von Beruf Makler, ist auf Facebook aktiv und beobachtet derzeit das Geschehen in den sozialen Netzwerken. Auch auf seiner Seite herrschen bereits Diskussionen. „Die Makler streiken und keine Sau interessiert es“, so ein User. Andere Makler sind ebenfalls von der Idee wenig begeistert. „Dieser Streik löst das Symptom des Fremdschämens aus“ oder auch „Ich mache viel Blödsinn mit, aber den?“, so ein anderer Makler. Die Makler sind überzeugt, dass der geplante Streik die gesamte Branche in ein falsches Licht rückt. „Wir machen uns lächerlich“, so ein weiterer Makler, der mit der Aktion nicht einverstanden ist. Ebenfalls sind viele überzeugt, dass die „Streikoffensive“ nur das Gegenteil bewirke und somit kontraproduktiv sei. Wer sich in die Diskussionen einbringen möchte oder die Kommentare verfolgen will, sollte auf Twitter #Maklerstreik eingeben. Viele Pro-Beiträge wird man jedoch nicht lesen; 90 Prozent der Einträge richten sich gegen den Streik.

Der Beginn einer großen Aktion

Auch wenn sich der BVFI keine Freunde mit dem geplanten Streik macht, meinen sie das Vorgehen ernst. „Wir wollen und werden nicht die Bundesrepublik lahmlegen, das ist uns bewusst“, so Jürgen Engelberth, Mitglied des Vorstandes. „Aber wir wollen dem Berufsstand ein besseres Gehör verschaffen“. Des Weiteren ist sich Engelberth sicher, dass die Politiker nicht das Gefühl haben dürfen, dass sie auf der sicheren Seite stehen. Mit der Urabstimmung und dem etwaigen Streik ist aber nicht genug. Der BVFI sieht die Aufforderung zum Streik als erste Aktion von noch vielen weiteren Maßnahmen.

Ärger um Ikea-Küchenwerbung bei ImmobilienScout24

Vor Kurzem erlaubte sich das Immobilienportal ImmobilienScout24 einen scheinbar empfindlichen Eingriff bei den geschalteten Anzeigen seiner Kundschaft. Suchende Nutzer bekamen von nun an nicht nur die eingestellten Angebote zu Gesicht, sondern wurden darüber hinaus beispielsweise mit Werbebannern für Kücheneinbauten des Möbelhauses Ikea beglückt. Laut ImmobilienScout24 diene dies der Erhöhung der Nutzwertigkeit der Suchergebnisse. Logisch, dass Benutzer des Portals, die Geld für eine Anzeige gezahlt haben, eine etwas andere Sicht auf diese diskutable Verbesserung haben.

Shitstorm auf Facebook

Auf der offiziellen Facebook-Seite von ImmobilenScout24 gab es zahlreiche kritische Kommentare bezüglich des Themas. Der Tenor war eindeutig: Nutzer des Portals sahen sich entmündigt und empörten sich mit teils eindeutigen Äußerungen über das Vorgehen des Marktführers im Online-Vertrieb von Immobilen. Wenig Verständnis gab es für die Werbeschaltung von Ikea, welche verständlicherweise als unnötige Reizüberflutung und unwillkommene Ablenkung bezeichnet wurde. Ungefragt Werbung in einer bezahlten Immobilienanzeige einzubinden, das konnte nicht gut ankommen. Das ImmobilienScout24 nur versucht zusätzliche Einnahmequellen zu generieren, ist durchaus legitim und alltägliches Geschäftsgebaren. Trotzdem fühlten sich durch diese überraschende Veränderung viele Kunden des Portals auf den Fuß getreten. Angesichts gleichzeitig angekündigter Preiserhöhungen für den gebotenen Service brachte dies das Fass zum Überlaufen.

Ein unglücklicher Feldversuch

Möglicherweise hat der einhellige Aufschrei bereits Wirkung gezeigt. Ankündigungen in Zukunft den Service der Webseite nicht mehr zu nutzen, veranlassten ImmobilienScout24 zum Einlenken. Der Fall zeigt, wie man seinen eigenen Kunden unnötig vor den Kopf stoßen kann. Ein Makel, der – auch wenn nun korrigiert – vielen in Erinnerung bleiben wird. Nun stellt sich die Frage, ob die jetzt angepassten, neuen Bedingungen für zusätzliche Werbeschaltungen Dritter ausreichen, um die erhitzten Gemüter noch zu beschwichtigen. Ikea-Küchen werden nicht mehr beworben, sofern Küchenbereiche Teilbestand des Angebotes darstellen. Besonders exquisite Objekte ab einem Preis von einer Million Euro oder einer Miete ab 2500 Euro sollen ebenfalls verschont bleiben. Exklusivexposés sind zudem vollständig von störender, fremder Reklame befreit. Zumindest offeriert ImmobilienScout24 hier teilweise Zugeständnisse an seine aufgebrachte Nutzerbasis. Der Testballon für neue Geldquellen durch zusätzliche Werbevermittlung ist also vorerst wieder am Boden – entgehen lassen wird sich der Immobilienanbieter das Geschäft jedoch langfristig nicht. Flachen die Proteste ab, stehen womöglich schon bald weitergehende Veränderungen bevor.